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Eric Liddell

Unbestechlich- Ich kann nicht laufen

Eric Liddell war ein Olympiasieger und seine Geschichte wurde auch schon mehrmals verfilmt. Eines seiner beeindruckendsten Erlebnisse war für uns die folgende:

 

„He, Liddell!«, rief einer von Erics Olympiateam-Kameraden. Der Zeitplan ist gerade gekommen!« 

Das Team, das ganz Großbritannien vertrat, bestand aus Sportlern, die aus England, Schottland, Irland und Wales stammten. Alle hatten fieberhaft auf den olympischen Zeitplan gewartet, um zu sehen, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten ihre jeweiligen Starts sein würden. Der Juli war gerade vorbei und das Team würde in Kürze nach Paris aufbrechen.

 

»Zwei Sekunden! Deine Zeit ist abgelaufen«, lachte Eric und griff nach dem Plan. Aufgeregt fuhr er mit dem Finger die Spalten entlang, auf der Suche nach dem 100m-Lauf, seiner besten Disziplin. Plötzlich wurde er bleich und sah seine Kameraden „Ich kann nicht laufen«, sagte er ruhig,
»Was? Nicht laufen? Was soll das denn heißen?« »Sie haben die Ausscheidungsläufe für die hundert Meter auf Sonntag gelegt.« »Na und? Wo liegt das Problem?«  Eric holte tief Luft. »Ich laufe sonntags nicht. Der Sonntag ist dazu da, Gottesdienst zu feiern, nicht um Wettkämpfe zu halten. Jedenfalls für mich.« Seine Kameraden starrten ihn an, aber niemand lachte ihn aus. Dafür hatten sie zu viel Achtung vor Eric Liddell. Sogar die Verantwortlichen für das britische Team, die von der Neuigkeit aufgeschreckt waren, versuchten, den Zeitplan ändern zu lassen — ohne Erfolg. 

 

Aber als die Nachricht publik wurde, dass der größte Hoffnungsträger auf eine Goldmedaille im 100 m Lauf, (für Großbritannien zum allerersten Mal überhaupt), sich weigerte zu laufen, reagierten andere weit weniger freundlich. »Warum kann er am Sonntag nicht starten und das Rennen einfach Gott widmen?«, beschwerten sich einige. »Er ist ein Vaterlandsverräter und nichts weiter«, sagten andere wütend. »Was muss das für ein Mensch sein, der sich weigert, sein Land zu vertreten, bloß weil der ausgeloste lag für das Rennen ihm nicht passt!« Die Zeitungen schalten ihn und die Leute wunderten sich, warum er so einen Wirbel veranstaltete. Aber Eric Liddell veranstaltete keinen Wirbel. Er beharrte nur darauf, ein Versprechen zu halten, das er vor langer Zeit einmal gegeben hatte - das Versprechen, den Sonntag als Tag des Herrn zu ehren, als Tag der Ruhe von Arbeit und Sport. 

 

Trotzdem, Eric war Mitglied der britischen Olympiamannschaft und so fing er an, für den 400 m Lauf zu trainieren, der nicht am Sonntag ausgetragen wurde. Dummerweise war diese Distanz nicht gerade seine Stärke. Als die Mannschaft in Paris eintraf, regte sich die Presse noch immer über seinen Entschluss auf, nicht im 100 m Lauf zu starten. Am Samstag marschierte Eric mit seinen Mannschaftskameraden, in hellen Hosen, blauem Blazer und Strohhut bei der Eröffnungszeremonie ins Stadion ein. Aber am Sonntag stand er, während die Ausscheidungsläufe stattfanden, in einer schottischen Kirche in Paris und sprach über seine Hingabe an Christus. Am Donnerstag und am Freitag qualifizierte sich Eric bei den Anfangsläufen und im Halbfinale für die Teilnahme am 400 m Endlauf, obwohl seine Zeiten nichts Besonderes waren. Kurz vor dem Finale gab ein Trainer, der Eric sehr großen Respekt entgegenbrachte, ihm einen Zettel, auf dem stand: »In dem alten Buch (der Bibel) steht: »Denn die mich ehren, werde auch ich ehren.« Ich wünsche Ihnen immer den größten Erfolg.« 

 

Eric schüttelte seinen Konkurrenten die Hände und stellte sich in Startposition für den Endlauf. Der Startschuss knallte und als das Rennen vorbei war, hatte Eric Liddell nicht nur den 400 m Lauf gewonnen, sondern auch einen neuen Weltrekord von 47,6 Sekunden aufgestellt! 

 

Die Menge jubelte. Niemand hatte erwartet, dass ein Hundertmeterläufer so ein Rennen gewinnen könnte. Die Kritik wandelte sich in Bewunderung. Großbritannien und die Welt hatten einen neuen Helden - und neuen Respekt vor einem Mann, der lebte, was er glaubte.